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Modellbildungswerkzeug
System-Archetypen für Verhaltensmuster:
Kurzdarstellung und Verweise ins Internet

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  Peter M. Senge kreierte die folgende Typologie zur systemischen Beschreibung und Darstellung häufig beobachtbarer Verhaltensmuster von Menschen.
Als derart veranschaulichte Muster sollen sie die jeweils zugrunde liegende Dynamik allgemein verständlich und mögliche Folgen bestimmter Handlungen vorhersagbar machen. Insbesondere soll die Eigendynamik der Verhaltensmuster nachvollziehbar werden, um unerwünschte, bzw. unbeabsichtigte Auswirkungen des eigenen Handelns vermeiden zu können. Die populärwissenschaftliche Literatur zeigt an zahlreichen Beispielen auch die Übertragbarkeit der folgenden System-Archetypen auf alltägliche Interaktionsphänomene im unterschiedlichen Kontext.
 

 

   

Eskalation

   
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Dieses Muster entsteht durch eine unheilvolle Verknüpfung zweier an sich balancierender Rückkopplungen. In ihrer Gesamtwirkung wachsen sie zu einer verstärkenden Rückkopplung zusammen, weil die Gesamtbalance permanent gestört ist. Dies erinnert an die verzweifelte Aussage:
"Erst wenn die anderen aufhören, kann ich auch aufhören!"
 
   
   

Grenzen des Wachstums

   
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Bei diesem klassischen
System-Archetyp wird ein sich verstärkender Kreislauf zeitverzögert mit Sicherheit an einen balancierenden Kreislauf gekoppelt. Erst dann ist das Muster als solches wirksam. Verantwortlich für die Zeitverzögerung sind limitierende Ressourcen, die stetig abnehmende Zuwachsraten erzeugen (Logistisches Wachstum). In der Graphik ist die zeitlich verzögerte Mitkopplung der limitierenden Ressource durch den roten Pfeil veranschaulicht.
 
   
   

Abrutschende Ziele

   
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(orig.: Eroding Goals),
weitere Übersetzungen: Erodierende/Abdriftende Ziele

Hier sind zwei balancierende Kreisläufe über einen Soll-Ist-Vergleich miteinander gekoppelt; der eine ist handlungsgeregelt, der andere erwartungsgeregelt. Verglichen werden also Handlungsergebnisse und Zielsetzungen.

 

     
Dynamik
 

Ein angestrebtes Ziel (=Erwartung) führt zunächst zu entsprechenden Handlungen. Gleichzeitig besteht ein latenter Druck, das Ziel zu erreichen. Führen die Handlungen nicht in angemessener Zeit zum Erfolg, erhöht sich der Druck (roter Pfeil). Nun können äußere oder innere Umstände dazu führen, das Ziel entweder zu senken oder umzudefinieren, was in der Praxis aufs Gleiche hinausläuft; das Ziel rutscht ab. Solange die Möglichkeit besteht, werden lieber Zielmarken gesenkt als Anstrengungen gesteigert, das Ziel doch noch zu erreichen.

Beispiele
 
  1. Um ein potenziell giftiges, aber mit hohem Kapitalaufwand hergestelltes Produkt rentabel auf den Markt zu bringen, werden die Grenzwerte gesenkt, ab denen es als bedenklich gilt (statt von vornherein auf Giftstoffe zu verzichten).
  2. Um schuldenabhängige Kriterien zu erfüllen, definiert ein Staat seine Schulden um, indem er den bedenklichen Teil davon aus der Berechnung auslagert. Die Umdefinierung führte also zu einer Senkung.
   
   

Ungewollte Gegnerschaft

   
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(orig.: Accidental Adversaries)

Dieses Muster besteht aus drei verstärkenden und zwei balancierenden Kreisläufen. Es veranschaulicht die scheinbar paradoxe Problematik der gegenseitigen Hemmung bei zu enger Kooperation.

 
     
Dynamik
 

Der umfassende 'globale' Kreislauf stellt die gegenseitige Kooperation von A und B dar, die kleinen 'lokalen' Kreisläufe die jeweils selbstbezüglichen Erfolgssteigerungen (schwarze Pfeile). Die enge Kooperation führt aber durch die Kollision mit den eigenen Zielen zu einer ungewollten gegenseitigen Hemmung (rote Pfeile).

Beispiel
  Zwei branchengleiche Unternehmen beschließen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, um gemeinsam erfolgreich agieren zu können. Liegen sie, bezogen auf den Markt, räumlich zu dicht aneinander, wird die Abhängigkeit von gemeinsamen Ressourcen (Kunden, Materialien,...) dazu führen, dass eigene erfolgsfördernde Aktivitäten den Erfolg des Partners wiederum hemmen. Aus der Partnerschaft wird eine 'ungewollte Gegnerschaft'.
   
   

Wachstum und Unterinvestition

   
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(orig.: Growth and Underinvestment)

Dynamik: Die beiden linken Kreisläufe zeigen, wie die beschränkte Nutzung gewohnter Ressourcen auf Dauer die eigene Leistungsfähigkeit begrenzen (roter Pfeil unten). Am dritten Kreislauf ganz rechts ist zu erkennen, dass dies gleichzeitig zur Senkung möglicher Leistungsziele führt (roter Pfeil oben). Soweit das Problem von Wachstum und Unterinvestition.

 

Dieser Systemarchetyp besteht aus der Reihenkopplung eines verstärkenden Kreislaufs mit zwei balancierenden Kreisläufen. Er zeigt die Verknüpfung zweier oben dargestellter Muster: Die Grenzen des Wachstums und die Abrutschenden Ziele. Im hier dargestellten Gesamtmuster ist die dynamische Lösung des Problems bereits integriert (rechter Kreislauf). Darum wird hier zuerst die Lösung beschrieben, und dann mit einem Beispiel veranschaulicht.

Lösung: Wird die eigene Leistung nun mit einem äußeren höheren Leistungsstandard verglichen, entsteht ein Druck, in neue Ressourcen zu investieren, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen (grüner Pfeil oben). Geschieht diese Investition rechtzeitig, können die neuen Ressourcen mit der Zeit wiederum zu gewohnten Ressourcen werden, entsteht eine dynamisch geregelte Erhöhung der eigenen Leistungsfähigkeit (grüner Pfeil unten).

Beispiel: Ein Unternehmen, dass sich auf die jahrelange Nutzung gewohnter Ressourcen verlässt, stößt irgendwann auf eine Leistungsgrenze. Diese Sicht führt gleichzeitig zur Senkung höher gesteckter Ziele. Die Leistungsfähigkeit kann aber durch Investition neue Ressourcen wirksam erhöht werden. Diese Investition muss aber so rechtzeitig erfolgen, dass die neu erschlossenen Ressourcen nach einer Weile zu gewohnten, d.h. verlässlichen Ressourcen werden.

     
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