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Blog - GS Brixen Goller (21-30/72)

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Angewandte Arbeitstechniken

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Freinet hat eine Vielfalt von Techniken nach bestimmten methodischen Grundsätzen verwendet. Im Folgenden möchten wir auf jene eingehen, die wir in unseren reformpädagogisch ausgerichteten Klassen praktizieren und teilweise auch weiterentwickelt oder etwas abgeändert haben: der Klassenrat, Projekte, verschiedene Formen des freien Ausdrucks usw.

Es muss aber festgehaltenwerden, dass die Verwendung solcher Arbeitstechniken allein noch nicht als Freinet- Pädagogik bezeichnet werden kann. Generell sollen die natürliche Neugier und der Lernwillen, sowie das natürliche Bedürfnis nach Arbeit berücksichtigt werden (Vgl. Dietrich, Ingrid (Hrsg.): Handbuch Freinet- Pädagogik. Eine praxisbezogene Einführung. Weinheim und Basel 1995. S.27ff). Auch Laun versteht unter den Techniken keine einzelnen Bausteine, die voneinander losgelöst sind. Damit die Freinet- Techniken ihre volle Wirkung entfalten und ein neues Lernklima schaffen können, muss der Lehrer seinen Schülern mehr Freiheit bezüglich der Zeit, des Inhaltes und der Form zugestehen (Vgl. Laun, Robert: Freinet- 50 Jahre danach. Dokumente und Berichte aus drei französischen Grundschulklassen. Heidelberg 1983. S. 37).

 
 
 

Klassenrat (1)

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Die Forderung Freinets durch Kommunikation und Kooperation zu lernen sehen wir auch im Klassenrat verwirklicht.  Beim Klassenrat steht die demokratische Erziehung, die Kommunikation und Kooperation an oberster Stelle. Den Kindern wird Verantwortung in Bezug auf das Schulleben übertragen (Vgl. Eichelberger, Harald/ Filice, Eva: Freinet- Pädagogik- ein Konzept für jede Schule. In: Eichelberger, Harald (Hrsg.): Freinet- Pädagogik und die moderne Schule. Innsbruck 2003. S. 25). Die Kinder sollen durch den Klassenrat lernen, Verantwortung für das Gruppenleben zu übernehmen, es durch gewisse notwendige Regeln und Strukturen zu organisieren, Probleme und Konflikte selbst auszutragen und eine Lösung dafür zu finden. Das Verbalisieren von Wünschen bzw. Ratschlägen, Dinge, die man gut oder nicht so gut findet, ist ein großes Anliegen. Sie sollen durch demokratisches Vorgehen lernen, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Eine bedeutende Rolle ist natürlich auch der sprachliche Aspekt: es geht auch darum, sich im Argumentieren zu versuchen, Stellung nehmen und die eigene Meinung darstellen zu können. Weiters soll der Klassenrat den Schüler/Innen die Möglichkeit geben, nicht nur über Konflikte zu sprechen, sondern sich auch mit Ratschlägen und Ideen in das Unterrichtsgeschehen einzubringen.

In der Regel findet der Klassenrat einmal wöchentlich statt. Wir treffen uns dazu im Sitzkreis und es wird ein Gesprächsmoderator ernannt. Der Lehrer ist dabei ein gleichwertiges Mitglied.

 
 
 

Der Klassenrat (2)

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Im Sinne des jahrgangsübergreifenden Lernens haben die letztjährigen Erstklässler die Schüler der zweiten Klasse beim Klassenrat besucht. Auf diese Weise sollten sie mit der für C. Freinet enorm wichtigen Arbeitstechnik bekannt gemacht und eingeführt werden. Mit dem Klassenrat ist die Wandzeitung eng verknüpft, die in jeder Klasse mit reformpädagogischem Schwerpunkt hängt. Sie besteht aus vier Feldern: ich beglückwünsche, ich frage, ich informiere, ich kritisiere.

Hier können sich die Schüler im Laufe der Woche gegebenenfalls eintragen. Die Wandzeitung wird in der Freinet-m Pädagogik als Kommunikationsmittel verwendet. Es kann alles aufgeschrieben werden, was die Klasse bewegt, oft beinhaltet sie auch Gefühle und Eindrücke. „Die Wandzeitung ist demokratisch, sie stellt Öffentlichkeit her, ist Überblick für alle.

Die Wandzeitung fordert zur Selbstverantwortung auf. Der Lehrer, der die Kinder zur Gestaltung einer Wandzeitung anregt, setzt einen entsprechenden Prozess in Gang. Entscheidungen, Wünsche, Bedürfnisse, Enttäuschungen werden öffentlich sichtbar. Das Miteinander und die Zusammenarbeit in der Klasse werden zum Thema, kritisierbar, veränderbar“ (Vgl. Hering, Jochen/ Hövel, Walter: Miteinander reden- miteinander arbeiten. In: Eichelberger, Harald (Hrsg.): Freinet- Pädagogik und die moderne Schule. Innsbruck 2003. S.111).

 

 
 
 

Projekte

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Weiters war für Freinet die Öffnung schulischen Lernens auf die reale Umgebung hin, also die Durchbrechung der Trennung von Schule und Leben durch Erkundungen, Untersuchungen, Projekte, Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen mittels Vorträgen, Einladen von Gästen ein zentrales Element.

Projekt- Lernen findet auch in unseren reformpädagogisch ausgerichteten Klassen statt. Exemplarisch dafür möchten wir  die Projektwochen zum Thema „Feuer und Flamme“ vorstellen, die im Schuljahr 2018/19 in der zweiten Klasse umgesetzt wurde. Dafür trugen wir zuerst einmal verschiedenste Materialien in der Klasse zusammen. Die Kinder waren mit Feuereifer dabei und brachten Bücher, Puzzles, Feuerwehrspiele, einen Film zum Thema Vulkane, Informationen aus verschiedensten Quellen, Ausschnitte aus Zeitungen, Bilder usw. mit. Die Äußerungen der Schüler/Innen zeigten, dass jede/r schon eine bestimmte Vorstellung von dem hatte, was er zu diesem Thema erarbeiten bzw. herausfinden wollte. Auf diese Weise setzte sich ein Arbeitsprozess in Gang, den die Schüler/Innen von Anfang an selbst gestalteten. Sie bildeten mehrere Gruppen, in denen sie Plakate, Büchlein, Karteikarten und ein Wimmelbuch ausarbeiten wollten und machten sich sofort an die Arbeit.

Die Kinder arbeiteten einige Tage an ihren Produkten und präsentierten sie anschließend der Klasse. Hierfür ließen sie sich einiges einfallen, wie der „Vulkan-Kuchen“ zeigt.

Für die Präsentation der Ergebnisse luden wir dann die Eltern ein.

Passend zum Thema besuchten wir auch die Freiwillige Feuerwehr Brixen, nicht nur nach dem Grundsatz Freinets sondern auch Tolstojs: „Überall erwirbt das Volk den größten Teil seiner Bildung nicht in der Schule, sondern im Leben.“ Bei ihm findet man die Gegenüberstellung der natürlichen Lernsituation des Kindes im Leben und der schulischen Lernsituation. Wenn die Kinder ihren Lernprozess aktiv mitgestalten dürfen, ihre Ideen aufgegriffen werden und sie Raum für ihre Kreativität bekommen hat dies natürlich auch positive Auswirkungen auf ihre Motivation. Tolstoj bringt das folgendermaßen auf den Punkt“ es kommt nicht darauf an, daß die Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt ganz bestimmte Fähigkeiten erwerben –z.B. Lesen, Schreiben, Rechnen-, sondern daß sie weiter lernen wollen und ihre Kraft zum Lernen nicht zerbrochen wird.“

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Persönliche Themen

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Ein anderes wichtiges Element war für Freinet das Lernen durch Handeln indem man etwas herstellt, gestaltet, darstellt, dokumentiert und mit Technik produktiv umgeht. Dies wird in unseren reformpädagogisch ausgerichteten Klassen vor allem durch die Arbeit an persönlichen Themen umgesetzt.

Die Kinder suchen sich dabei ein Thema aus, das sie interessiert und das sie bearbeiten möchten. Weiters steht es ihnen frei, ob sie allein oder in der Gruppe arbeiten. Auch das Endprodukt, das sie dann schlussendlich der Klasse präsentieren steht den Kindern frei. Haben sie sich für ein Thema entschieden wird meist eine Art „Arbeitsvertrag“ unterzeichnet, wo die Kinder das Thema, einige Fragen, die sie dazu beantworten wollen, die Arbeitspartner und den Zeitraum festlegen. Dann machen sich die Kinder an die Arbeit und beginnen mit ihrer Recherche. Dabei stehen ihnen unsere Schulbibliothek, die PCs und Zeitschriften zur Verfügung. Öfters suchen die Kinder auch zu Hause nach brauchbaren Informationen. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie engagiert die Kinder bei der Arbeit sind und mit welch großer Motivation sie an persönliche Themen herangehen. Dies ist eigentlich eine Bestätigung dafür, dass Kinder gerne lernen, sofern es für sie wichtig und von Bedeutung ist. Jedem Kind wohnt das Potential inne, den eigenen Lernprozess in die Hand nehmen zu können. In der ersten und zweiten Klasse benötigen die Schüler gerade bei den persönlichen Themen noch einige Unterstützung der Lehrpersonen. In der ersten Klasse vor allem, weil das „Werkzeug“ wie Schreiben und Lesen noch gefestigt werden muss, später dann beim Filtern der Informationen. Durch die Arbeit an den persönlichen Themen wird eine „Technik“ geschult, die im Leben grundsätzlich von Bedeutung ist: Das Recherchieren, das Zusammenfassen  der wichtigsten Informationen und die Präsentation.

Haben die Kinder die Arbeit an ihren Themen abgeschlossen, stellen sie das Endprodukt und die Informationen der Klasse vor, manchmal laden wir auch andere Klassen dazu ein. Die Bandbreite der Endprodukte ist groß: kleine Bücher, die dann für alle anderen in der Klasse zum Lesen aufliegen, Karteikarten, Plakate, Legespiele, Fingerpuppentheater, Darstellungen aus Lego usw. Hieraus lässt sich erahnen, wie kreativ Kinder sind und sein können, wenn sie den nötigen Raum dafür bekommen.

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Das "Wort der Woche"

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Der produktive Umgang mit Texten, Medien und Informationen hatte schon bei Freinet einen wichtigen Stellenwert. Dabei wurde natürlich wieder das Kind mit seinen Bedürfnissen und Interessen in den Mittelpunkt gestellt. Folglich ging es nicht um Texte, die vom Lehrer vorbereitet oder ausgewählt wurden, sondern Texte die die Schüler/Innen selbst geschrieben haben. Die schriftliche und bildnerische Auseinandersetzung mit Texten und die Produktion von freien Texten liegen auch uns sehr am Herzen. Wir nennen es das „Wort der Woche“, wenn die Kinder auf einem leeren Blatt ihren eigenen Text produzieren dürfen, egal ob es sich um ein Gedicht, eine Erlebniserzählung, einen Witz, einen Brief, eine Beschreibung oder dergleichen handelt. Das Blatt wird dann noch mit einer Zeichnung oder einer Verzierung schön ausgestaltet. Und weil die Texte ganz im Sinne Freinets nicht für das Heft oder eine Schublade produziert werden sollen, steht im Flur eine große Pinnwand bereit, wo alle Texte angeheftet werden können. Dies ist für die Kinder ein besonderer Anreiz, die Texte nach der Korrektur fehlerlos abzuschreiben und zu gestalten. Sie werden nämlich veröffentlicht und von Lehrpersonen und anderen Schüler/Innen gelesen. Wer möchte darf seinen Text vor dem Aufhängen in der Klasse vorlesen.

Der freie Ausdruck spielt aber nicht nur in schriftlicher Hinsicht eine Rolle, sondern auch im verbalen, bildlichen, körperlichen und musikalischen Sinne durch freie Texte, freie Bilder, Zeichnungen, Pantomime, Rollenspiele, Tänze und auch der produktive Umgang mit Musik. Hier stellt die Schulfeier (P. Petersen) ebenso einen zentralen Moment dar, wo den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, sich auf diesen Ebenen zu entfalten.

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Arbeitspläne

 

Malfertheiner Astrid

Malfertheiner Astrid

Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Ein großes Ziel unserer Arbeit in den reformpädagogisch ausgerichteten Klassen ist Selbstständigkeit und Eigenverantwortung im Lernprozess. Das soll durch verschiedene Arbeitspläne gelingen, die meist in der ersten Klasse mit einfachen Tagesplänen beginnt und dann zu Wochenplänen und Plänen für die Freie Arbeit weiterentwickelt werden. Die Schüler/Innen erhalten dadurch die Möglichkeit ihre Arbeit zu planen und zu organisieren. Gleichzeitig geben sie auch uns Lehrerpersonen, zusätzlich zu unseren Beobachtungen, Auskunft und Überblick über die Arbeiten der Kinder.

 

Abschließend muss aber festgehaltenwerden, dass die Verwendung solcher Arbeitstechniken allein noch nicht als Freinet- Pädagogik bezeichnet werden kann. Generell sollen die natürliche Neugier und der Lernwillen, sowie das natürliche Bedürfnis nach Arbeit berücksichtigt werden (Vgl. Dietrich, Ingrid (Hrsg.): Handbuch Freinet- Pädagogik. Eine praxisbezogene Einführung. Weinheim und Basel 1995. S.27ff). Auch Laun versteht unter den Techniken keine einzelnen Bausteine, die voneinander losgelöst sind. Damit die Freinet- Techniken ihre volle Wirkung entfalten und ein neues Lernklima schaffen können, muss der Lehrer seinen Schülern mehr Freiheit bezüglich der Zeit, des Inhaltes und der Form zugestehen (Vgl. Laun, Robert: Freinet- 50 Jahre danach. Dokumente und Berichte aus drei französischen Grundschulklassen. Heidelberg 1983. S. 37).

 
 
 

Wer war Peter Petersen?

 

Daporta Anita

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Zuletzt geändert:
Samstag, 12. Oktober 2019

Kategorie:

Petersen
 

Peter Petersen wurde 1884 als erster Sohn einer Kleinbauerfamilie nahe Flensburg (D) geboren. Da seine Begabung in der Schule früh erkannt wurde, bekam er zusätzlichen Förderunterricht und besuchte schlussendlich die Anstalt des königlichen Gymnasiums zu Flensburg.

Dort erfuhr er inmitten seiner Mitschüler aus bürgerlichem oder großbürgerlichem Hause gesellschaftliche Ausgrenzung. Diese Erfahrung machte ihn ein Leben lang sensibel für soziale Unterdrückung. Auch die äußere Disziplinierung, die er dort erlebte, prägten ihn. Im Anschluss besuchte Peter Petersen die Universität. Er schloss seine Ausbildung 1909 mit der Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen ab, welcher er mit Auszeichnung bestand. Danach sammelte er erste Unterrichtserfahrungen als Hilfslehrer, bis er nach 5 Monaten an die Gelehrtenschule des Johanneums nach Hamburg berufen wurde. Diese Stadt war damals eine Hochburg des reformpädagogischen Aufbruchs und hatte einen beträchtlichen Einfluss auf seine Sicht auf Bildung und Unterricht. Peter Peterson übernahm einige Ämter und Aufgaben, die zeigten, dass er sich nicht nur auf seinen Unterricht konzentrierte, sondern sich früh in Bezug auf Schulentwicklung Gedanken machte und sich aktiv einzubringen versuchte. So war er Sekretär des Deutschen Bundes für Schulreform und Mitglied der kollegialen Schulleitung der revolutionären Realschule Winterhude.

Er entwickelte die Idee einer Einheitsschule vom Kindergarten bis zum Abitur mit gemeinsamen pädagogischen Grundsätzen. Als Folge dieser Idee postulierte er auch die gleichberechtigte Ausbildung von Volksschul- und Gymnasiallehrer an einer Universität.

Die Ideen des Pädagogen wurden in der „neuen“ Lichtwarkschule in Hamburg, in der er von 1920-1923 arbeitete, erprobt: Es gab Formen von jahrgangsübergreifendem, ganzheitlichem Lernen, die Unterteilung des Unterrichts in Kern und Kurs, Koedukation, Schulwohnstube, Feste und Feiern, Elternmitarbeit und – mitspracherecht.

Ab 1924 lehrte der Pädagoge an der Universität Jena. Gleichzeitig fanden seine Vorstellungen Einzug in der Universitätsübungsschule, die dadurch eine große Veränderung erfuhr. 1927 stellte Peter Petersen seine Arbeit auf dem Weltkongress des „New Education Fellowship“ in Locarno vor und präsentierte sie als Synthese verschiedener Reformpädagogischer Ideen. Er vereinigte die Reformbestrebungen vieler Pädagogen wie z.B. Freinet und Decroly zu etwas Neuem. Heute ist das Pädagogische Konzept von Peter Petersen bekannt als „Jenaplan“.  Dies ist keine Methode, sondern ein Konzept. Peter Petersen bezeichnete es auch als „Ausgangsform“ und erklärte, dass es sehr viele verschiedene schulische und gesellschaftliche Wirklichkeiten gebe. Daraus resultierten auch unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen an die schulische Erziehung. Deshalb sei es sinnvoll, dem Pädagogen allgemeine Grundsätze, eine Form und einen Plan zu geben. Es liege dann in der Verantwortung des Lehrers, wie er versucht, in diesem Rahmen sein Ziel zu erreichen.

In der Folge hielt er viele Vorträge, publizierte häufig und erreichte so ein breites Publikum.

Die Zeit des Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg überstand Petersens Schule in Jena, obwohl reformpädagogische Ansätze in dieser Zeit in fast allen anderen Schulen Europas verschwanden. In der Nachkriegszeit wurde seine Schule als „reaktionäres Überbleibsel aus der Weimarer Republik“ aber geschlossen und der Pädagoge erwog, in den Westen zu gehen, was er am Ende aber nicht tat. Er starb 1952 mit 68 Jahren.
 (Eichelberger, Harald, Wilhelm, Marianne: der Jenaplan heute- eine Pädagogik für die Schule von morgen, Innsbruck, Wien, München, Studien- Verlag, 2000, S.28-31, 35)

 
 
 

Seine Erziehungsidee- die Gemeinschaftsgruppe

 

Daporta Anita

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Zuletzt geändert:
Samstag, 12. Oktober 2019

Kategorie:

Petersen
 

Erziehung findet nach Peter Petersen in und durch die Gemeinschaft statt. So wird „Die Idee der Gemeinschaft oberste, alles Geschehen innerhalb der Schulgemeinde letzthin normierende Idee“. Dazu erläutert Peter Petersen, dass die Gemeinschaft eine freie Innenstruktur hat. Die Menschen ordnen sich ein und/ oder einer geistigen Idee unter. Es gibt keine soziale Rangordnung, aber Führer vertreten die Ideen nach außen. Wer als Führer in Frage kommt, entscheidet sich in den gottgegebenen Gaben, die jeder Mensch mitbringt, und keine soziale Ordnung.

Neben dem Führer hat jede Gruppe zwei Arten von Mitgliedern: die Aktiven, welche Ideen aufgreifen und an ihr arbeiten und die Aufnehmenden. Dabei sind diese Rollen nicht statisch, sondern es findet andauernd eine innere Kräfteverschiebung statt.

Anders als in einer Sozialform, in der ein Mensch wegen einzelner Fähigkeiten zu bestimmten Aufgaben berufen wird, soll in der Gemeinschaft immer der ganze Mensch gesehen werden. Von jedem einzelnen wird erwartet, dass er stets sein Bestes gibt und zu den anderen steht wie Brüder oder Kameraden. Das gemeinsame Ziel muss mit „Reinheit und Treue der Gesinnung gegen die Idee der Gemeinschaft“ angepeilt werden.

Daraus ergeben sich natürlich auch Schlussfolgerungen für die Schule: Wir müssen auch in der Schule versuchen, echte Gemeinschaft entstehen zu lassen. Gruppen sollten so gestaltet und gelebt werden, dass es Raum und Zeit für das zwischenmenschliche Geschehen und wirkliche Gemeinschaftsbildung gibt. Weiters sollte die Schule junge Menschen befähigen, Initiative zu entwickeln, „fähig und bereit, die Last auf sich zu nehmen und sie zu tragen, freundlich, liebenswürdig, rücksichtsvoll, hilfsbereit und willig, sich selber ganz und gar an ihre Aufgabe hinzugeben, Opfer zu bringen, wahrhaft zu sein, treu, schlichten Herzens, ehrlich, selbstlos, und darunter einige wenige, die bereit sind, mehr zu tun als die anderen für diese andern, ohne viel Aufhebens zu machen.“ Nur wenn wir diese Eigenschaften in den Kindern fördern können, werden sie auf eine Welt vorbereitet sein, deren Zukunft wir heute noch nicht kennen.

Für eine Umsetzung dieser Gemeinschaftsidee braucht es unbedingt auch die Mitarbeit der Elternschaft: Sie müssen bereit sein, alles für die Kinder der Klasse/ Schule, nicht nur des eigenen Kindes zu machen. Gemeint sind dabei persönliche und materielle Opfer, Rat, Verteidigung, Mitarbeit. Sobald alle Eltern dazu bereit sind, entsteht echte Gemeinschaft. (Petersen, Peter: Der Kleine Jena- Plan, Weinheim und Basel, Beltz Verlag, 64. Auflage 2011, S.21ff- alle Zitate-; Eichelberger, Harald, Wilhelm, Marianne: der Jenaplan heute- eine Pädagogik für die Schule von morgen, Innsbruck, Wien, München, Studien- Verlag, 2000, S.37f)

Petersens Konzept ist eine „Ausgangsform“, die nach den Bedürfnissen der Schule vor Ort angepasst werden sollte.
Welche Grundlagen sich der Pädagoge für die Umsetzung vorstellt, erläutern die nächsten Punkte genauer. Dabei ist zu bedenken, dass diese Vorstellungen eben Grundideen sind, die flexibel und variabel gehandhabt werden können.

 
 
 

Die äußere Ordnung des Schullebens: Schulgebäude, organisatorische Rahmenbedingungen

 

Daporta Anita

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Zuletzt geändert:
Samstag, 12. Oktober 2019

Kategorie:

Petersen
 

Peter Petersen beschreibt das ideale Schulgebäude als einstöckigen Flachbau mit höchstens 400- 500 Schülern/innen. Auf dem Gelände sollte es einen Spielplatz und einen Schulgarten geben, für jede Gruppe ein besonderes Zimmer, einen großen Werkraum, einen Raum für naturwissenschaftliches Arbeiten, eine Turnhalle und einen Versammlungsraum für Schulfeiern, Theater und Ähnlichem.

In der Unter- und Mittelstufe sollten pro Gruppe nicht mehr als 40 Schüler/innen sein, in der Oberstufe nicht mehr als 35. Hingegen findet der Pädagoge zu kleine Gruppen nicht ideal, weil mit größeren Gruppen das natürliche Lernen stärker sei und das Gruppenleben reicher und vielfältiger.

Ausgestattet sollten die Räume mit Tischen und Stühlen werden, die leicht von den Kindern selbst arrangiert und bewegt werden könnten. Es sollten solche Möbel sein, die auch einmal auf einen kurzen Lehrgang auf eine Wiese oder ein Flussufer mitgenommen werden könnten, weil der Unterricht soweit als möglich ins Freie verlegt werden sollte. Weiters sollten die Tische die Möglichkeit bieten, sie als Gruppentische zu nutzen, also sie zusammenzustellen. Ausgegangen wird in diesen Überlegungen von Gruppen von zwei bis sechs Kindern.

Die Wände sollten als Wandtafelflächen genutzt werden, die bis zum Fußboden reichen.

Es gibt keine fixe Sitzordnung für die Kinder. Sie wählen ihren Platz frei bzw. passen ihn den Erfordernissen an: Wenn sie mit anderen Kindern eine Gruppenarbeit machen, setzen sie sich alle gemeinsam zu einer Tischgruppe zusammen.

Die Schüler/innen genießen Bewegungsfreiheit: Sie bewegen sich frei im Raum und in der Schule. Petersen schreibt „Bewegung ist die Nahrung des wachsenden Körpers; ihre Unterbindung Verbrechen an der Gesundheit.“ Jeder muss seine Freiheit aber auch vor der Gruppe verantworten (s.das Gruppengesetz).

Peter Petersen macht folgende Einteilung als seiner Erfahrung nach am Idealsten aus:  Der Unterricht beginnt mit Kursstunden (s. Die Arbeit), an die sich eine kleine Pause von 3-5 Minuten anschließt, in der sich die Kinder für den nächsten Abschnitt vorbereiten oder Arbeitsmaterialien verräumen. Danach kommt eine Arbeitszeit von 100-105 Minuten (s. Die Arbeit: Gruppenarbeit), an die sich die Pause anschließt, die 35-40 Minuten dauert. Dabei ist die Pause eine pädagogische Situation, die mit volkstümlichem Turnen beginnt. Dann essen die Kinder ihr Frühstück, dass sie als Gruppe gemeinsam, in Ruhe und mit „guter Essenshaltung“ einnehmen. Dann folgt ein freies Spiel, ca. ein Drittel führt an zwei Tagen die Woche ein vorgegebenes Spiel durch, manche beschäftigen sich auch im Schulgarten. Die Pause endet mit einem Zehnminutenturnen aller Schüler/innen. Nach der Pause gibt es noch eine Arbeitszeit von 100-105 Minuten, bevor der Schultag endet. (Petersen, Peter: Der Kleine Jena- Plan, Weinheim und Basel, Beltz Verlag, 64. Auflage 2011, S.43ff).     

 
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