blikk
logo
kidszone punkt
infothek forum galerie sitemap

anfang zurück weiter ans ende eine ebene nach oben
 

Du lebst im 2. Weltkrieg, berichte aus deinem Leben! (10/147)

 

Sophie Ennemoser

Freitag, 10. Mai 2013

Kategorie:

Erlebnisbericht

Kein Kommentar

 

Man hätte sich so viele Fragen stellen können, man hätte alles hinterfragen sollen. Doch man glaubte, jetzt wo der 1. Weltkrieg zu Ende war, würde man vorsichtiger sein und sich nicht mitreißen lassen. Doch genau das war passiert, man hatte sich mitreißen lassen, von den Worten eines Mannes. Hitlers  Propaganda hatte die Menschen verzaubert und betäubt. Sie konnten nicht mehr selbstständig denken und wollten es auch gar nicht mehr.

ap0889nazis_nurnberg


Es begann alles damit, dass Hitler seine „hervorragenden“ Reden hielt und alle von ihm und seinen Reden verzaubert wurden. Ich stand nie ganz hinter Hitler, ich ging auch nie zu seinen Reden, bevor sie nicht zur Pflicht wurden. Als ich von ihm hörte, dachte ich er sei ein junger Mann, der Deutschland stärken- und hoch hinaus wollte. Doch konnte man ahnen, dass er solche Weltanschauungen hatte? Konnte man auch ahnen, wie machtbesessen er war?
Konnte man?
Oder wollte man einfach nicht? Wollte man sich einfach von seinen Worten in Trance setzen lassen und an ihnen glauben, an eine bessere Welt? Oder glaubte man wirklich daran und gab es keinen anderen Ausweg als daran zu glauben und hinter Hitler zu stehen?
Als 1935 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, dachten alle, es wäre vielleicht gut sich zu schützen. Niemand konnte ahnen, was Hitler vorhatte. Er hatte immer schon eine aggressive Außenpolitik betrieben und seinen extremen Hass gegen die Juden, der kam mir idiotisch vor. Obwohl er in seinem Buch „Mein Kopf“ davon schrieb.

Doch keiner dachte daran, dass Hitler Krieg wollte, um Deutschland auf Polen zu vergrößern. Erst mit dem Überfall vom 1. September 1939 auf Polen erkannte man, dass Hitler ein großes Ziel hatte.
Die Blitzkriege von 1939-41 gegen Polen, Dänemark, Norwegen, Frankreich, am Balkan und Nordafrika verliefen für Hitler erfolgreich.
Meine Familie und ich hatten die ganze Zeit Angst, dass ich zur Wehrmacht in den Krieg gerufen werde. Doch alles sah damals noch so gut für Deutschland aus, dass sich sehr viele Freiwillige für den Kriegsdienst meldeten. Während der Krieg für Deutschland so gut lief, versuchte Hitler uns, seinen „Untertanen“, das perfekte Bild eines deutschen Bürgers einzureden. Seine Ideologie bestand aus Rassismus und Antisemitismus. Hitlers Frau hielt sich meistens im Hintergrund.

1941 griff das Deutsche Reich die UdSSR an. Mit Erfolg. Überall erschienen Schlagzeilen, die Propaganda arbeitete:
„Hitler ist nicht zu stoppen! Schließt euch uns an!“, „Das Deutsche Reich wird siegen!“ oder „Hitler ist überragend und führt uns in den Sieg! Heil Hitler!“
Es gab sicherlich auch gegnerische Propaganda, aber wir, das deutsche Volk bekamen davon nie etwas zu, sehen oder zu hören.
Nach dem Kriegseintritt Japans 1941 schien Hitler unschlagbar zu sein. Denn jetzt hatten die Achsenmächte ein neues Mitglied für sich gewonnen.
Die Leute feierten und jubelten. „Hitler hat uns den Sieg gebracht. Hoch lebe Hitler, heil Hitler!“ Überall hörte man die Menge Hitler zujubeln. Ich war immer noch misstrauisch, doch meine Frau versuchte mir immer wieder einzureden, dass ich mir nur etwas einbildete und ich hoffte, dass sie recht behalten würde.
Doch die Jubelzeit hielt nicht Lange, 1942 kam die Kriegswende in Stalingrad.
Denn im Juni 1941 überfiel Deutschland mit einer Streitmacht von mehr als 3 Millionen Mann die Sowjetunion. Dieser Krieg war von Anfang an als Vernichtungskrieg gedacht. Es wurden Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene getötet, Felder verbrannt und Städte und Dörfer in Trümmern gelegt. Doch die Rote Armee schloss im August 1942 die deutschen Truppen in Stalingrad ein. Dort mussten sie bei äußerster Kälte und ohne geregelte Versorgung ausharren. Trotz aussichtsloser Lage verbot Hitler die Kapitulation.

Am 12. September 1942 wurde ich zur Wehrmacht eingezogen, zwei Jahre waren Pflicht. Ich verabschiedete mich also mit Tränen in den Augen von meiner Frau und meinen zwei kleinen Kindern. Die Angst um meine Familie war enorm, da die Umstände miserabel waren. Jeder, der in den Krieg zog, musste einen Eid leisten, indem er schwor, Hitler zu folgen und zu ehren.
Ich wurde an die Westfront geschickt. Dort hörte ich immer wieder, das Deutschland am Ruin stand und die Alliierten die Achsenmächte besiegen würden.
An der Ostfront häuften sich meine Fragen:
Wie hatte es eine einzige Person geschafft, so schnell an so viel Macht zu gelangen? Wieso hatte niemand etwas Entscheidendes gegen ihn unternommen? Warum wurde die Diktatur wieder belebt?
Wieso?
In meiner Zeit an der Westfront scheiterte die deutsche Offensive im Osten und es kam zur Niederlage. Auch in Afrika ging es für uns schief und im Juli 1943 landeten die Alliierten in Sizilien.
Ich war mir meines Todes schon sicher gewesen.
Hoffnung?
Die gab es schon lange nicht mehr. Doch ich wünschte sie meiner Familie. Hoffnung für jeden neuen Tag. Hoffnung, dass es in ihrer Zukunft keinen Krieg mehr geben würde. Hoffnung auf ein Leben in Glück, Freude und den Glauben an etwas Gutes.
Geschlafen hatte ich schon eine Ewigkeit nicht mehr. Essen gab es auch kaum. Neben mir kämpften oft sogar schon Buben mit 12 und 13 Jahren. Da Hitler die erwachsenen Soldaten ausgegangen waren, schickte er jetzt kleine Jungen in den Krieg. Die meisten von ihnen starben schon an ihren ersten Tag an der Front. Es war ein grausamer Krieg.
Am 6.6.1944 gab es eine Invasion der Alliierten in Frankreich. Die Alliierten drangen in Frankreich vor. Kurze Zeit darauf gab es massive Bombenangriffe der Alliierten auf deutsche Städte. Bald waren zwei Jahre an der Westfront für mich beendet gewesen. Doch ich glaubte nicht daran, dass Hitler mich nach Hause gehen lassen würde.

Manchmal fragte ich mich, wieso sich nie jemand traute etwas gegen Hitler zu unternehmen. Ich war mir immer sicher gewesen, dass nicht nur ich etwas misstrauisch gegenüber Hitler war. Doch ich wagte er nicht etwas zu, sagen. Vielleicht aus Angst davor, alleine da zu stehen, oder aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Angst vor Deportation ins KZ oder Denunzianten. Aber wahrscheinlich aus all diesen Gründen und aus Feigheit!

Ich wäre es meiner Familie schuldig gewesen und dessen Familien, deren Kinder im Krieg sterben mussten, in einem aussichtslosen Krieg.

1945 scheiterte auch Hitlers letzte Offensive: die Ardennenoffensive im Westen. Ich und die anderen Soldaten Hitlers, die kapituliert hatten, wurden gefangen genommen.

In den Kerkern erfuhr man nichts von dem Krieg. Am 07.05.1945 wurden alle deutschen Gefangenen entlassen und wir durften zurück nach Hause.

In Deutschland lag alles in Trümmern. Doch meiner Familie ging es gut und das war für mich das Einzige, was zählte.

 

       panther2 

Kommentier den Beitrag

Dein Kommentar

Captcha
zum seitenanfang
 
punkt
seitenbereich schließen

Anmeldung